Es ist 5 vor 12!

Keine flächendeckende sichere Geburtshilfe mehr in Deutschland

Grafik: Martina Bürger

Grafik: Martina Bürger

Mit einer Reisewarnung für Schwangere ab der 36. Schwangerschaftswoche will der Elternprotest Hebammenunterstützung erneut auf die dramatischen Entwicklungen in der Versorgung mit geburtshilflichen Angeboten aufmerksam machen: „Es ist 5 vor 12. In bestimmte Urlaubsgebiete können Schwangere wegen mangelnder Versorgung heute nicht mehr reisen“, sagen die Elternaktivisten.

„Bereits heute gibt es in vielen Gegenden Deutschlands keine flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe mehr. Damit ist die Vorsorge, Geburtsbegleitung aber auch das ganze System der Wochenbettbetreuung, welches deutschlandweit in Hebammenhänden liegt, in Gefahr. Darüber hinaus schließen immer mehr Geburtshäuser und kleinere geburtshilfliche Kliniken, auch freie Gynäkolog*innen geben ihre Tätigkeit auf. Wir wollen die Menschen und die Politik aufrütteln!“. Die Vorschläge mit denen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Situation der Hebammen verbessern wollte, seien zu kurz gedacht und griffen ins Leere.

„Wir brauchen langfristige, tragfähige Lösungen – und wir brauchen sie jetzt!“, je länger man warte, desto größer wird das Sterben in der Geburtshilfe sein. „Es wird mit jedem Tag schwerer, das Versäumte aufzuholen“. Der Elternprotest Hebammenunterstützung fordert die Politik zum Handeln auf. Die Aktivist*innen weisen außerdem darauf hin: „Wir fordern unser Grundrecht auf Wahlfreiheit des Geburtsortes vom Staat ein“. Damit sei nicht nur die flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe gemeint. Wahlfreiheit, so betonen die Eltern, sei auch, die Möglichkeit sich zwischen verschiedenen Kliniken entscheiden zu dürfen. Der Trend zu großen Perinatalzentren mit mindestens 1.000 Geburten und langen Anfahrtswegen oder so genannten ,Boardingkonzepten‘ würde über kurz oder lang zu unvermeidlichen und unbeherrschbaren Situationen führen. „Wenn wir in ein paar Jahren dann feststellen, dass die Rate der Mütter- und Kindersterblichkeit wieder angestiegen ist, stehen die heutigen Politiker*innen vielleicht nicht mehr in der Verantwortung. Wir Eltern bleiben es. Ein Leben lang“.

Grafik: Martina Bürger